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24.04.2020

Mitteilung an die Bürgerschaft

Liebe Nieheimerinnen, liebe Nieheimer,

heute, am Freitag dem 24. April, geht eine überaus spannende, anstrengende und in Teilen auch wieder Hoffnung machende Woche zu Ende.

Durch die Beschlüsse der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsident*innen war es ab Montag möglich, dass alle Einzelhandelsgeschäfte auf der Marktstraße wieder öffnen. Es ist ein schönes Bild, dass bspw. das Schuhhaus Reineke oder das Modehaus Stamm ihre Waren wieder vor ihren Geschäften platzieren und auch die Menschen wieder auf der Marktstraße unterwegs sind, um in den Geschäften einzukaufen.

Sehr viel Arbeit hat die Vorbereitung der Öffnung der Realschule am gestrigen Donnerstag gemacht. Die Vorgaben aus Düsseldorf sind teilweise sehr kurzfristig eingetroffen und nur dem hohen persönlichen Engagement der Schulleitung, des Kollegiums, dem Schulpersonal und auch meinen Mitarbeiter*innen in der Stadtverwaltung ist es zu verdanken, dass gestern und heute die ersten beiden Unterrichtstage zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung absolviert werden konnten.

In uns allen steckt eine gespannte Erwartungshaltung an weitere Lockerungen und gleichzeitig auch die Unsicherheit, ob nicht eine neue Infektionswelle alle schon getroffenen Maßnahmen wieder infrage stellen kann. Die einzige Möglichkeit dazu einen persönlichen Beitrag zu leisten, ist weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten und weiterhin auf persönliche Kontakte zu verzichten. Das soll ausdrücklich nicht zur sozialen Distanzierung führen. In den Medien wird der englische Begriff (social distancing) verwendet, in der deutschen Übersetzung zeigt er aber, wie fehl am Platz er ist. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, miteinander in sozialem Kontakt zu bleiben. Das Telefonat erfährt eine Renaissance und auch ein Gespräch auf der Straße ist möglich, wenn man sich in der erforderlichen Entfernung voneinander aufhält. Dem oder der Nächsten Hilfe und Unterstützung anzubieten, ist für viele Menschen in der Stadt weiterhin eine Selbstverständlichkeit. Unser Gemeinwesen in Nieheim funktioniert und kann auch unter den Einschränkungen bestehen.

Für die Arbeit der Stadtverwaltung habe ich angeordnet, dass die Dienstleistungen des Einwohnermeldeamts nach vorheriger Terminvereinbarung jetzt auch wieder flächendeckend möglich sind. Es zeigt sich schon in dieser Woche, dass bspw. die Ausgabe von neuen Personalausweisen für die Kunden und auch meine Mitarbeiter*innen kontaktlos möglich ist und durch die Terminvergabe keine Wartezeiten entstehen.Dieses Prinzip wollen wir beibehalten und da wo nötig und möglich auch ausbauen. Scheuen Sie sich also nicht, telefonisch Termine bei der Stadtverwaltung anzufragen und zu vereinbaren. Wir finden für Ihren Einzelfall eine Lösung.

In dieser Woche wurde auch entschieden, den Deutschen Käsemarkt 2020 abzusagen. Eine sehr schwere Entscheidung, für die ich aber ausnahmslos Verständnis erhalte. Es ist einfach so, dass absehbar in diesem Jahr keine Feste stattfinden können. Und dann ist es richtig und konsequent auch zeitnah darüber zu entscheiden.

Das ist im Übrigen auch der Stil meines Krisenmanagements während der Corona-Zeit. Schnell zu entscheiden, wenn schnelle Entscheidung nötig sind. Vor einer Entscheidung den Rat der Beteiligten einholen und immer und in jeder Angelegenheit persönlich ansprechbar zu sein. Dazu möchte ich Sie auch noch einmal ausdrücklich ermuntern. Sie erreichen mich über die bekannten Kommunikationswege, entweder telefonisch oder per E-Mail. Was ich nicht leisten kann, ist jedes Bedürfnis zu erahnen. Da bin ich einfach darauf angewiesen, dass Sie sich bei mir melden, wenn Sie glauben, dass ich bei der Lösung eines Problems behilflich sein kann. Unabhängig davon bin ich in Kontakt zu allen wichtigen Akteuren in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Allgemeine Problemlagen sind natürlich absehbar und werden von mir auch aufgegriffen. Sollte ich da bisher ein bestimmtes Problem übersehen haben, melden Sie sich bitte, damit ich darauf reagieren kann.

Ich möchte mich in dieser Krise auch nicht persönlich nach vorne spielen, deswegen verzichte ich auch auf Videobotschaften. Ich habe diesen Text jetzt einmal vertont und auf die Internetseite gestellt, weil eventuell dadurch die Ansprache noch mal persönlicher wird.

Ab dem nächsten Montag erwartet uns gemeinsam eine weitere Neuerung, die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase- Bedeckung beim Einkaufen und im ÖPNV. Aus Selbstversuchen weiß ich, wie gewöhnungsbedürftig das ist. Aber ab Montag wird es zur Pflicht und ich appelliere an Sie, sich auch daran zu halten. Es ist eine Möglichkeit andere zu schützen und wenn es alle tun, dann sind auch Sie besser geschützt. Ein einfaches Prinzip.

Ich möchte auch heute schon auf den Maifeiertag in der nächsten Woche vorausblicken. Am Freitag, dem 1. Mai, wird das Wetter voraussichtlich so gut sein wie in dieser Woche auch. Damit werden sich viele auf ausgedehnte Spaziergänge begeben. Daran ist auch nichts auszusetzen und im Vergleich zu vielen anderen europäischen Staaten sind wir auch hier in einer privilegierten Situation.

Was nicht geht, sind Wanderungen von Gruppen mit Bollerwagen und Alkohol. Theoretisch sind die natürlich vorstellbar, auch mit Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen. Allerdings ist dann die Wahrscheinlichkeit auch größer, dass die geltenden Regeln nicht eingehalten werden. Deswegen appelliere ich an alle, die das bisher noch planen, in diesem Jahr auf dieses Format zu verzichten.

Gehen Sie gerne spazieren, aber nicht in einer Gruppe und auch nicht unter Alkohol-Einfluss. Das Ordnungsamt wird auch am Maifeiertag die Einhaltung der geltenden Regelungen kontrollieren und dort, wo nötig, sanktionieren.

Aus den Erfahrungen der letzten Wochen weiß ich aber, dass nicht nur die Mehrheit, sondern fast alle Nieheimer*innen die Regeln einhalten. Und wenn wir das gemeinsam weiterhin tun, dann ist es auch realistisch, dass nach und nach weitere Lockerungen in unser Leben einziehen werden. Bspw. ist es für die Gastronomie überlebensnotwendig, dass dort wieder die Türen geöffnet werden können. Ob das so kommt, hängt sehr viel davon ab, ob wir alle die Regeln einhalten. Bitte helfen Sie mit!

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes und sonniges Wochenende, vor allem viel Gesundheit. Das, was man sich normalerweise überwiegend am Anfang eines jeden Jahres wünscht, das ist ständiger Wegbegleiter der momentanen Situation. Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Stadt Nieheim diese Krise robust bewältigen wird und bei aktuell nur noch einem Infizierten im Stadtgebiet nehmen wir im Kreis Höxter da sogar die Spitzenposition ein. Damit das so bleibt, ist jede und jeder von Ihnen gefragt.

Herzliche Grüße

Ihr

Rainer Vidal

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