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14.07.2018

Alle Generationen unter einem Dach

Konzept für das Richterhaus steht: Tagespflege, Jugendtreff, Medien und Begegnungsraum für Senioren Von Dennis Pape / Westfalen-Blatt

Sie   wollen   das   seit   Jahren   leer   stehende   und   denkmalgeschützte Richterhaus  mit  Leben  füllen  (von  links):  Bürgermeister  Rainer  Vidal, »Jung  und  Alt«-Geschäftsführer  Andreas  Fuhrmann  sowie  Jugendtreffleiterin  Anna-Lena  Helmes.   Foto:  Dennis  Pape

Nieheim(WB). Das historische Richterhaus in Nieheim soll im Herzen der Stadt allen Generationen ein Dach bieten. Bürgermeister Rainer Vidal hat am Freitag das Konzept zur Umnutzung des geschichtsträchtigen und bereits 1701 erbauten Hauses vorgestellt.

Unter anderem will der Verein »Jung und Alt« (Kollerbeck) eine Tagespflege mit 14 Plätzen anbieten – laut Geschäftsführer Andreas Fuhrmann könnten im Erdgeschoss des Hauses somit sogar bis zu 40 ältere Menschen betreut werden, da nicht jeder Patient das Angebot an fünf Tagen in der Woche wahrnehme. Und nicht nur diese Erfahrung habe Fuhrmann in der 2016 eröffneten Tagespflege von »Jung und Alt« in Kollerbeck gemacht: »Wir sind in Kollerbeck seit der Eröffnung zu 100 Prozent ausgelastet – der Bedarf in unserem Einzugsgebiet Marienmünster/Steinheim/Nieheim ist groß. Eine Erweiterung in Kollerbeck war dennoch nie ein Thema – wir wollen eine quartiersnahe Versorgung. Deshalb und nicht zuletzt auch angesichts der großartigen Unterstützung der Stadt ist Nieheim für uns deshalb schnell zum Thema geworden.« Fuhrmann und Vidal wiesen darauf hin, dass bislang zwar noch keine Verträge geschlossen worden sind – dies solle einer fruchtbaren Kooperation jedoch nicht im Weg stehen.

Die Stadt hat das Richterhaus nach Angaben der Verwaltung für einen »niedrigen fünfstelligen Betrag« erworben, die Sozialstation »Jung und Alt« könnte zur Miete einziehen – und somit auch für neue Arbeitsplätze im Stadtgebiet Nieheim sorgen. Erforderlich seien laut Fuhrmann aufwendige baulichen Maßnahmen im Inneren des Richterhauses. Vidal verwies auf den Sachverhalt, dass die Sozialstation ein gemeinnütziger Verein sei, und betonte sichtlich erfreut: »Wir holen das Ansinnen des Vereins, etwas für die Gesellschaft zu tun, direkt in das Herz Nieheims.« Das neue Angebot sei eine Ergänzung zu den schon bestehenden heimischen Pflegeeinrichtungen und nicht als Konkurrenz anzusehen.

Dort – und zwar explizit im Obergeschoss des Richterhauses – soll künftig auch der Jugendtreff, der seit einem Jahr in Trägerschaft der Stadt ist, einen Platz bekommen. »Ich sehe dies als große Chance, junge und ältere Menschen zusammenzubringen. Die Jugend soll Mitspracherecht bei der Gestaltung der Räume haben«, sagte Leiterin Anna-Lena Helmes.

Ebenfalls in das Richterhaus einziehen soll nach den Plänen von Bürgermeister Rainer Vidal ein offener Treff für Senioren – ein »Raum der offenen Tür« – sowie eine weitere Räumlichkeit für digitale und analoge Medien. Den erforderlichen Umbau zu einem barrierefreien Haus, unter dessen Dach alle Generationen vereint sind, will die Stadt übernehmen. Die Kosten könnten sich auf bis zu 1,9 Millionen Euro belaufen, die hauptsächlich aus dem Landesförderprogramm »Soziale Integration« finanziert werden sollen. »Dafür bewerben wir uns aktuell mit diesem – wie ich finde – guten Konzept und sehr guten Argumenten. Sollte dieser Fördertopf für uns verschlossen bleiben, haben wir auch einen Plan B«, so Vidal. Bis spätestens Mitte 2020 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Die Verwaltung hatte erst kürzlich ein Investitionskonzept für Nieheim vorgestellt – unter anderem auch für die vollständige Umgestaltung des Quartiers Richterplatz mit dem »Westfälischen Hof«. Laut Vidal soll der Abriss der Brandruine Ende Juli beginnen. Grund und Boden soll anschließend von der Stadt erworben werden. Ein Konzept gebe es noch nicht. »Wenn sich jedoch Investoren für barrierefreies Wohnen finden lassen, würde das beispielsweise perfekt zu dem passen, was in Zukunft im Richterhaus angedacht ist«, erläuterte der Bürgermeister. Bezüglich dessen spricht er von einer »großen Nummer für Nieheim«.

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