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26.03.2018

Abriss des ehemaligen Hotels beantragt

Nach Brand in der Marktstraße könnte dort ein Neubau entstehen – Ortsausschuss Nieheim tagt heute

Das ehemalige Nieheimer Hotel »Westfälischer Hof« in der Marktstraße 27 (Kernstadt) soll abgerissen werden. Foto: Harald Iding
Das ehemalige Nieheimer Hotel »Westfälischer Hof« in der Marktstraße 27 (Kernstadt) soll abgerissen werden. Foto: Harald Iding

Nieheim (WB/hai). Der Ortsausschuss Nieheim wird sich heute Abend ab 18.30 Uhr in einer öffentlichen Sitzung im kleinen Rathaussaal mit dem beantragten Abriss eines besonderen Gebäudes befassen: Es handelt sich um das ehemalige Hotel »Weserberghof« in der Marktstraße 27.

Am 2. März des vergangenen Jahres brach dort ein Großfeuer aus (wir berichteten mehrfach). Durch den Brand wurde vor allem die Dachkonstruktion stark beschädigt, so dass in Folge der gesamte Dachstuhl zurückgebaut werden musste.

Das Bauamt der Stadt Nieheim teilt dazu in einer Vorlage für die Politiker mit: »Durch Löschwasser und eindringendes Niederschlagwasser wurden auch die Deckenkonstruktionen, die durchweg aus Holzbalkendecken mit Spalierleisten mit Lehmfüllung bestehen, stark in Mitleidenschaft gezogen.«

Die »Johanngieseker Immobilien und Grundstücks GmbH« aus Beckum habe nun bei der Stadt beantragt, das gewerbliche Betriebsgebäudes auf dem Grundstück Marktstraße 27 in Nieheim abreißen zu dürfen. Die Beschlussempfehlung der Stadt: »Dem Antrag auf Abbruch ist das Einvernehmen zu erteilen. Auf Grund der Bedeutung für den Stadtgrundriss sollte die Baulücke mit einem Neubau wieder geschlossen werden.«

Weiter informiert die Stadt: »Die seitens des Kreises und der Stadt seit dem Brandereignis geforderten Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen mündeten letztlich in der notdürftigen Abdichtung der oberen Geschossdecke, der Sicherung des Nord­giebels und der Sicherung der Fenster, so dass die über Monate vorhandene Absperrung Ende November 2017 zurück gebaut werden konnte.«

Auch nach den Sicherungsmaßnahmen seien mit dem Eigentümer Johanngieseker weitere intensive Gespräche mit Blick auf eine Nachnutzung oder Wiederaufbau des Gebäudes geführt worden. Die Stadtverwaltung: »In diesen Gesprächen wurde klar, dass ein Abriss des Gebäudes angestrebt wird.« Nicht zuletzt auf Grund der Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft »Historische Stadt- und Ortskerne« und der damit eingegangenen Selbstverpflichtungen wurden die Experten von der LWL-Denkmalpflege in Westfalen (Münster) im Februar dieses Jahres beteiligt und eine gemeinsame Ortsbesichtigung organisiert. Dazu liegt nun eine Einschätzung der Denkmalschützer vor. Dipl-Ing. Jürgen Reuter teilte Bürgermeister Rainer Vidal mit: »Der Westfälische Hof steht seit 1890 gegenüber der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus an bedeutender Stelle im Stadtgrundriss. Im Kreuzungsbereich von Markt- und Wasserstraße, am Zugang zum Richterplatz, prägt das ehemalige Hotel mit seiner Kubatur, seiner Materialität und damit seinem Erscheinungsbild den Stadtkern von Nieheim«.

Eine Sanierung aufgrund der durch den Brand entstandenen Schäden sei nicht möglich. Das LWL stellt zudem fest, dass der »Westfälische Hof« auch kein Denkmal und nicht in der Kulturgutliste der Stadt eingetragen sei. »Damit bestehen gegen den Abriss keine Bedenken.« Allerdings bestünden Bedenken aus Sicht der städtebaulichen Denkmalpflege gegen die entstehende Baulücke im historischen Stadtgrundriss. Reuter: »Man sollte die Baulücke mit einem Neubau wieder schließen«. Ein Neubau im Zusammenspiel mit einer Neugestaltung des Richterplatzes würde den gesamten Bereich städtebaulich aufwerten und den historischen Stadtrundriss erhalten.

Anfang dieses Monats sei beim Kreis Höxter der Antrag auf Abbruch des vorhandenen Gebäudes eingegangen. Nun muss die Stadt Nieheim zu diesem Antrag Stellung nehmen. Das Bauamt folgt der Einschätzung des LWL: »Die Bedeutung, insbesondere für den Stadtgrundriss von Nieheim, wurde in der Stellungnahme des LWL deutlich bestätigt. Auf Grund der durch den Brand entstandenen Schäden und Folgeschäden ist dies wohl nicht möglich. So werden auch gegen den Abbruch seitens des LWL keine Bedenken erhoben.« Vordringliches Ziel sollte es sein, die Baulücke mit einem Neubau wieder zu schließen. »Auch aus Sicht der Verwaltung könnte ein Neubau im Zusammenspiel mit einer Neugestaltung des Richterplatzes den gesamten Bereich städtebaulich aufwerten. Die Bewahrung und behutsame Erneuerung des Ortskerns entspricht auch den Zielen der historischen Stadt- und Ortskerne.«

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